Unsere Route

gefahrene Strecke

Gefahrene Kilometer:
16.150 km

Unsere Spendensumme:
6.736,24 €

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Peru

Noch nie waren wir so gemischter Gefühle, voller Vorfreude und innerster Trauer um das Ende einer solch unglaublichen Zeit. Schon jetzt denken wir gern zurück an die traumhaften Strände Brasiliens, die Glücklichkeit in Paraguay, die riesigen Burger Uruguays, den Spanischsprachfehler der patriotischen Argentinier, die einzigartige Natur Patagoniens, die Sandstürme hoch oben in den Anden, die heiß schwüle Luft des amazonischen Regenwaldes oder die Tourifallen in Peru.

Geschlachtetes Schaf

Natürlich hat eine solch lange Reise nicht nur Hochpunkte, sondern auch ein paar "Unumgänglichkeiten". Von einer geknackten Kreditkarte mit geraubten 1.000 Euro, über verdorbene Mägen mit Krankenhausaufenthalt, aktute Höhenkrankheit, Fahrraddefekte oder gar Angst um unser gemeinsames Leben. Es ist noch immer beunruhigend, wenn wir daran zurück denken, wie wir uns sagten, dass der Partner der Beste wäre und wir doch eine traumhafte Zeit gehabt haben ...

Doch wir blicken voller Stolz, Freude und Unbegreiflichkeit auf diese Zeit mit folgenden Fakten zurück:

Rasant unterwegs

Verschleißteile:

  • 10 Ketten (jeweils 5)
  • 6 Reifen (2x Stefan, 4x Tina)
  • 8 Bremsbackenpaare (jeweils 4)
  • 4 Ritzelpackete (jeweils 2)
  • 1 Tretlager (Tina)

Platten: Stefan 5x, Tina 10x

Äußere Umstände/Krankheiten:

  • Minimaltemperatur: - 19,4°C
  • Maximaltemperatur: + 50,9°C
  • Regentage: max. 10
  • 7 Erkältungen (4x Stefan, 3x Tina)
  • 14x verdorbener Magen (8x Stefan, 6x Tina; 11x in Bolivien + Peru)
  • Sonnenbrände
  • Frostbeulen (Tina)
  • 100erte Sandfliegenbisse/Mückenstiche

Abschließend möchten wir uns bei unserer Familie, unseren Freunden, unseren Unterstützern und Spendern zutiefst bedanken. Ihr habt uns unser Abenteuer erst ermöglicht und uns in unserem Leben weiter gebracht. Wir kehren hochglücklich mit vielen neuen Eindrücken und vor allem ein Stück mehr Lebensweisheit zurück und freuen uns auf den Urlaub Deutschland.

Eure/Euer

Tina & Stefan

12.09.2016: 15.296 km – 16.150 km, von Cusco nach Huancayo
Unsere letzten Kilometer!

ANGEKOMMEN

Unglaublich, aber wahr! Es ist so weit: die allerletzte Radetappe unserer 13-monatigen Reise – rund 854 km bis zum endgültigen Zielort sind geradelt. Auf diesen Moment haben wir uns schon Monate gefreut und uns schon sehr lange gefragt, wie sich das wohl anfühlen mag.

Wir planten 16 Fahr-Tage mit durchschnittlich 50 km täglich. Uns erwartete ein schweres Profil; 5 große Berge waren zu überwinden, jeder von ihnen hatte seinen Gipfel auf einer Höhe von ca. 4.100 Hm bis 4.300 Hm, danach zurück hinunter ins Tal auf die 2.000er Höhenmarke ...

Fluss entlang der PE 3S

Der letzte Berg nahm sogar 5 Tage in Anspruch, dafür war er aber auch nicht so steil und zugleich noch der schönste von allen. Es ging von Ayacucho zum Zielort Huancayo. Die Straße wurde einspurig bzw. teilweise noch enger! Der Verkehr und wir zusammen war teilweise schwierig, ständig wurde um die Ecken gehupt. Der alte Asphalt wurde etwas löchriger und die Straßenarbeiter flickten an einigen Stellen, indem sie mit einem Eimerchen flüssigen Asphalt in die Löcher kippten und die Masse mit einem Besen verstrichen ...

Ein Pool zum Entspannen

Nach einem Staudamm wurde der Fluss allerdings zu riesig, das Wasser entwickelte sich zu einem gefährlichem Strom. So verbrachten wir unseren allerletzten Zeltabend auf einer völlig versteckten Wiese, mitten in der Bevölkerung und doch bot uns dieses Plätzchen einen Traum-Weitblick in purer Einsamkeit. Morgens versuchten wir zu begreifen, dass es das letzte Mal sein wird, im Zelt zu frühstücken, sich mit Sonnenschutz einzucremen, das Zelt einzupacken, die Taschen zu packen, die Brille und den Helm aufzusetzen, noch einen letzten Blick auf den festen Sitz aller Taschen zu werfen, aufzusteigen und dann die allerletzten Südamerika-Kilometer zu radeln!

Unser Zielort Huancayo

Hier werden wir nun einige Tage verbringen und uns mit den Vorbereitungen für die zunächst dreitägige Busfahrt und den Rückflug beschäftigen. Schon am Ankunftstag machten wir uns den Spaß, eine gigantische Mülltüte aufzustellen und alles Abgenutzte zu entsorgen (zerfetzte Klicker, Sonnen gegrillte Helme, ausgeblichene und zerranzte Radsportkleidung, Sonnenhüte, Radtrinkflaschen, bereits Luft lassende und Blasen bildende Isomatten, fast reißende Spanngurte, und so weiter und so fort ...) – das ist ein einzigartiges Gefühl, verbunden mit Trauer, dass dieses schöne, so beeindruckende Jahr ein Ende nimmt, sowie mit Freude und Stolz, dieses Abenteuer geschafft zu haben!


24.08.2016: Colca-Canyon und Machu Picchu
Von tiefen Schluchten zu den Inka-Spuren

Peru – lange Zeit hatten wir uns riesig auf das Land gefreut und nur Gutes gehört. Leider können wir nach fast einem Monat die Meinung kaum teilen und das Land rangiert gemeinsam mit Argentinien auf unsere "Abschlussliste". Nur die vereinzelte Bergbevölkerung hoch in den Anden ist unglaublich freundlich, hilfsbereit und sammelt noch Pluspunkte für dieses Stück Erde.

Sobald man aber in die Bevölkerung kommt, wollen die von Gringos nur noch eines: Geld, Geld und noch mehr Geld – am besten schmeicheln sie dir erst zu, stechen dir dann den Dolch in den Rücken und versuchen noch den letzten Penni aus dir heraus zu quetschen. Es ist einfach unfassbar und unglaublich zugleich!

Colca-Canyon

Nach kurzer Regenerierungspause von unserer 6000er-Tour wollten wir den Colca-Canyon, der mit 4.160 m Höhenunterschied zu den tiefsten Schluchten der Welt zählt, besichtigen. Wir entschlossen uns für einen kurzen, aber knackigen 2-Tages Trek. Wieder hieß es, pünktlich 02:00 Uhr morgens aufstehen und ab zum Bus. Nach drei kurvigen Stunden Autofahrt erreichten wir den Canyon und durften als Gringos unglaubliche 20 Euro p.P. Eintritt zahlen. Nächster Halt war ein Aussichtspunkt, von dem wir Condore, die Könige der Anden, beobachten konnten.

Blick auf die Oasis Sangalle

Machu Picchu

Wir können es kaum glauben; anfangs planten wir in Monaten, dann in Wochen und mittlerweile zählen wir schon die Tage! Da die verbleibende Zeit viel zu kurz ist, um alles mit dem Fahrrad zu erradeln, nahmen wir den Bus, um von Arequipa zum nächsten Touristen überwucherten Städtchen zu gelangen – Cusco.

Allein die Busfahrt bestätigte einmal mehr unsere Peru-Meinung. Das Ticket für den zugesicherten einstöckigen Bus verkaufte man uns gut und günstig für ca. 14 Euro p.P. (10 Std. Busfahrt) und im Terminal traf uns dann der Schock. Er war zweistöckig und somit das Gepäckfach winzig. Wir mussten unser Gepäck einem Gehilfen übergeben und als erste Aktion dieses Trottels tackerte er an unsere bis dato tollen, wasserdichten Ortliebsäcke zwei Schilder! Dann fängt er an über die Fahrräder zu meckern. Auf einmal sollten wir dann noch 28 Euro für die Zweiräder bezahlen! Jedes Fluchen, Diskutieren brachte nichts und laut schimpfend auf die Peruaner bezahlten wir die Zäche und stiegen in den Bus.

Andreas Hostel

Denn jetzt wollten wir mit der Organisation für den Salkantay-Trek zu den wohl berühmtesten Inka-Ruinen Machu Picchu beginnen; das wohl Wichtigste: die Eintrittskarten. Nach kurzem Check im Internet war das tägliche Kontingent von über 2.500 Tickets, beginnend bei 34 US$, bereits für die nächsten 10 Tage ausverkauft. Geschockt maschierten wir in die Stadt zum offiziellen Verkaufsschalter und auch dort die gleiche Info. Aber nach einem Jahr Südamerika trauten wir keinen offiziellen Stellen mehr und schon gar nicht dem Internet. Wir fragten uns noch ein bisschen durch die Hintertüren und erhielten die Info, dass im Dorf vor den Ruinen immer noch Tickets aufzutreiben wären.

Maultier-Kolonnen

Am ersten Abend gelang uns noch die Flucht aus dem Massen-Basislager und wir fanden ein schönes Plätzchen direkt an einem Bach. Leider schwand dieses Glück die nächsten beiden Tage und wir mussten uns auf Campingplätzen einquartieren. Da die Tourenanbieter aber zu Abkürzungen und Vereinfachungen neigen, hatten wir glücklicherweise doch immer mal wieder schmale, einsame Pfade, konnten den Bächen lauschen und die Natur genießen.

Machu Picchu aus der Ferne

Am kommenden Tag erreichten wir den Campingplatz am Fuße des Berges der Inkastätte. Stefan marschierte ins Dorf und sage und schreibe kurze Zeit später hatten wir ohne jegliche Probleme unsere beiden Eintrittskarten. Jetzt musste es uns nur noch gelingen, möglichst zeitig oben zu sein, um die Ruinen ohne die Menschenmassen fotografieren zu können. Neben dem 24 US$ teuren Bus (für lächerliche 8 km) gibt es noch einen kostenlosen 1,75 km langen Wanderweg – natürlich war das unsere Wahl.

Am Ticketschalter unten vor der Brücke

Kaum unser Ticket gezeigt, sprinteten wir los. Der schmale Pfad, bestehend aus 1.690 Stufen, war nicht der perfekte Untergrund für Überholmanöver und so ging es im Drängelmodus, wo keine Chance ungenutzt blieb, nach oben. Nach bereits 40 Minuten erreichten wir den offiziellen Eingang und nur eine Busladung Touristen hatte es noch vor uns geschafft. Vollkommen durchgeschwitzt stand so einem kurzeitig einsamen Machu Picchu-Erlebnis nichts im Wege.

Machu Picchu - Ruinen des Inkareiches

Wieder die 1.690 Stufen hinunter, das Zelt abgebaut, mit schwerem Rucksack 8 km zum Vorort gelaufen, erwartete uns eine 6-stündige Autofahrt zurück nach Cusco. Doch bereits bei der Rückfahrt ging es Stefan zunehmend schlechter. Am nächsten Tag verschlimmerte sich sein Zustand weiter und er konnte vor Schwindel, Schmerzen, Bauchkrämpfen und Fieber kaum noch laufen. Aus Ansgt vor irgendwelchen wilden Tropenkrankheiten begann unser nächstes Abenteuer – das Krankenhaus.

Ab ins Krankenhaus

In einem schicken Privatzimmer mit Flachbildschirm, Stadtblick, privatem Bad und Gästebett für Tina wurden wir dann untergebracht und weiterhin fürstlich behandelt/bedient. Halbstündlich schauten Schwestern vorbei und der Doktor war auch ein oft gesehener Gast. Gegen Abend waren die ersten Befunde da und Stefan wurde zusätzlich Antibiotika in den Tropf gemischt; die folgende Nacht verlief angenehm ruhig. Es folgte Vollpension/All-Inclusive und so langsam machten wir uns nur noch Sorgen über die bevorstehende Rechnung und die Übernahme von unserer Auslandsreisekrankenversicherung.

Es ergab sich jedoch alles zum Guten, die Klink regelte jeglichen Schrift-/Telefonverkehr mit der Versicherung und wir mussten rein gar nichts auslegen. So regenerierten wir uns gut und denken jetzt über unsere letzte Radetappe unserer Südamerikareise nach!


09.08.2016: 14.855 km – 15.296 km, von Rurrenabaque nach Arequipa
Vom Titicaca-See zum Vulkan Chachani

Von Rurre aus haben wir den Bus zurück nach La Paz genommen. Während der 24-stündigen, abenteuerlichen Busfahrt ohne Klimaanlage, Toilette und als "Unterhaltungsprogramm" zwei Erdrutsche wurden all unsere Nerven geprüft. In La Paz verbrachten wir dann ein paar Tage – aber wirklich faszinieren konnte uns diese Großstadt nicht – nur die "Telefericos" (Seilbahnen) als Ersatz zum Schienenverkehr waren überzeugend.

Schnell flüchteten wir nach Copacabana, einer Touri-Stadt am Titicaca-See. Hier fühlten wir uns schon viel wohler, kurierten unser Willkommengeschenk, die "back to the Altiplano-Erkältung" aus und besichtigten die traumhafte Insel "Isla del Sol". Auch wenn wir der Glaube der Inka, dass hier die Sonne geboren worden sei, nicht ganz teilen konnten – ein wahrlich traumhaftes Stück Erde.

Einsames Zelten am großes Titicaca-See

Überglücklich über einen riesigen Supermarkt besorgten wir dann Folgendes:

Zwischendurch:

  • 1 Paket Bonbons (in etwa Werthers Beste)
  • 8 Pakete Vollkornkekse
Getränke:
  • 8 Getränkepulver
  • 10 Liter Wasser
  • 2 Liter Golden-Cola
Sonstiges:
  • 400 ml Sonnencreme LSF 50
  • 200 ml Sonnencreme LSF 30
  • 1 Lippenstift mit LSF 30
  • 1 Rolle Küchenpapier
  • 6 Rollen Klopapier
Sonstiges:
  • 4 gefüllte Croissants
  • 1 gebackenes Hähnchen

Schwer beladen und mit praktisch überquellenden Taschen ging unser Abenteuer weiter. Doch noch trennten uns ca. 60 km und ein paar hundert Höhenmeter vor den sich einsam in den Anden schlängelnden Bergwegen. In der ersten Mittagspause verzehrten wir unsere Henkersmahlzeit und träumten schon wieder vom nächsten vollausgestatteten Supermarkt. Alsbald nahm der Verkehr ab, der Asphalt wurde immer schlechter, die Straße schmaler und nach einem Tag waren wir in der wirklichen Einsamkeit.

Niedliche Alpacas auf unserem Weg

Immer wieder galt es, Pässe zu überwinden, und der höchste von ihnen, der Abra Toroya, lag immerhin auf 4.737 Hm. Mit diesem Pass erreichten wir den NP Salinas Aguada und die Landschaft änderte sich schlagartig. Jegliche Pflanzen, auch das letzte Gestrüpp, musste dem kargen Vulkangestein weichen. Studenlang radelten wir in dieser trostlosen Gegend bis endlich eine Abfahrt kam, gefolgt von einer Salar.

Ein Schaf wird geschlachtet

Am letzten Fahrtag hofften wir auf einen richtigen Endspurt – immerhin hatten wir eine 50 km lange Abfahrt mit einem Höhenverlust von knapp 2000 Hm vor uns. Doch leider ließ uns mal wieder die Straße im Stich. Sand- und Buckelpiste waren derart extrem, dass wir auf den insgesamt 64 km nach Arequipa gerade einmal einen 13er-Schnitt schafften. Dafür konnten wir die tolle Aussicht genießen und mit jedem verlorenen Höhenmeter die angenehm steigende Temperatur spüren.

Blick auf Arequipa

Wir wollten unsere gute Akklimatisation der letzten Tage ausnutzen und starteten unsere Chachani-Expedition nach nur einem Ruhetag. Zunächst fuhren wir mit einem Jeep zum Ausgangspunkt auf 5.000 Hm und wanderten von dort bis zum Basiscamp auf knapp 5.200 Hm. Nach Spagetti mit Thunfisch schauten wir uns noch den schönen Sonnenuntergang an und verschwanden dann schnell in unser Zelt. Denn nicht nur die Temperaturen sanken schnell, nein auch der Aufbruch zum Besteigen war von unserem Guide auf 02:00 Uhr angesetzt.

Aufstieg nachts auf den Chachani

Die Kälte tat ihr übriges und Tinas Zustand verschlechterte sich zunehmend. Auf knapp 5.650 Hm konnte sie einfach nicht mehr und beschloss, mit dem Abstieg zu beginnen. Als dankende Erinnerung durfte sie dann noch Frostbeulen an Fingern und Zehen behalten ... Jetzt hatte es Stefan in der Hand, den 6.000er für uns zu sichern. Das Schneckentempo wurde immer anstrengender und das Ziel schien immer ferner zu rücken. Nach 4 Stunden und 15 Minuten war das Ziel aber in Sichtweite und die ersten Sonnenstrahlen erweckten endlich Finger und Zehen zum Leben.

Stefan am Gipfelkreuz auf 6.080 Hm

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