Unsere Route

gefahrene Strecke

Gefahrene Kilometer:
16.150 km

Unsere Spendensumme:
6.736,24 €

Bildergalerie

> zur Bildergalerie

Bolivien

Zunächst wurden wir mit einem schlanken Holzboot 60 km tief auf dem Fluss Beni in den Dschungel (Pilon Lajas Indigebous Territory Park) gefahren. Wir verbrachten anfangs einige Nächte im Camp (ein einfaches, auf Stelzen stehendes Holzhäuschen), besuchten schöne Ausblicke und angelten gewaltige Fische! Unser kleinster Fisch wog ca. 4 kg, doch das wurde schnell von einem 9 kg "Pacú" getoppt. Auch ein völlig grätenfreier Walfisch durfte von uns verschmaust werden.

Fisch auf indianer-typische Weise

Neben all dem leckeren Essen wurde jedoch auch hart gearbeitet! Wir brauchten noch ein Vehikel, um zu unserem Hochzeitsort zu gelangen: ein Floß musste her.

Benötigte Materialien: 8 Baumstämme, deren Rinde und 3 weitere dünne Äste.

Unser Hochzeitsvehikel

Wir legten sehr viele Kilometer auf dem Floß zurück, teilweise sehr langsam und entspannend, teilweise jedoch mit Affen-Geschwindigkeit durch Stromschnellen und steinigen Passagen. Es war total schön und unser Hochzeitsvehikel machte uns alle Ehre.

Buschige Pflanze für unsere Röckchen

Farbe durfte natürlich auch nicht fehlen. Hier im Amazonas lernten wir zwei Farbmaterialien kennen: das eine ist die Frucht "Bimanzana", die nach einigen Einwirkstunden dunkelblau wird, und die andere Möglichkeit ist eine spezielle Art von Blättern, die durch langes Reiben eine tief violette Farbe abgeben. Blau auf dem Oberkörper und lila im Gesicht waren wir vorbereitet.

Pachamama – Mutter Erde

Mit Palmen-Eheringen, bemaltem Körper, buschiger Kleidung, regenwäldischem Schmuck und Takani-Segnung wurde dann ums Feuer getanzt – eine wirklich unvergessliche und traumhafte Hochzeit!


12.07.2016: 14.516 km – 14.855 km, von Coroico nach Rurrenabaque
Regen + Sonne = Regenwald

In Coroico, einem magischen Ort inmitten des so oft von Wolken verschleierten bergigen Regenwaldes, pausierten wir für drei Tage, um neue Kräfte zu sammeln. Leider funktionierte dies nur bedingt, da sich Stefan gleich am Ankunftstag den Magen verdarb und noch viel schlimmer, ein weiteres Mal am Tag der Abfahrt. Von neuen und frischen Kräften also keine Spur ...

Das tolle Bergdorf verließen wir auf der kaum noch befahrenen Nord-Route. Ein einzigartiger, einspuriger Kopfsteinpflasterpfad, der sich innerhalb von 27 Serpentinen gute 500 Hm zum Flussbett und zum neu asphaltierten Teil der alten Todesstraße herunterschraubt. Dieser, als F3 bezeichneten Straße, folgten wir die kommenden Tage. Leider endete der Asphalt alsbald und wir befanden uns wieder auf bolivianischem "Ripio" oder sogar "Tierra".

Zeltplatz am Wasser

Aber wenn man die Einheimischen fragt, ob dieser Regen normal sei, erhält man nur die Antwort: "Ja, es regnet, aber doch nur ein ganz klein bisschen." Naja, zumindest ist dieser "Winter" für uns trotz Regen angenehm warm und wir können in kurzen Klamotten Tag für Tag radeln. Dies sorgte bei den Einheimischen zwar für Verwunderung und wir wurden durchaus öfter gefragt, ob uns nicht kalt sei (Es war 9.00 Uhr morgens und das Thermometer stand bereits bei 21,5°C). Als wir später wieder im Trockenen sahen, wie eine Mutter ihrem Baby bei 25°C eine Mütze aufsetzte, verstanden wir dann die Frage ...

Die F3 jedoch wurde zu einer einzigen Schlamschlacht. LKWs, Busse, Autos, alle fuhren sehr langsam und verwunderlicherweise sogar vorsichtig. Anhaltender Linksverkehr zwang uns leider immer wieder in die exponierten Lagen, nur wenige Zentimeter neben dem steilen Hang. Die Todesstraße ist hier noch ein unglaubliches Spektakel. Unpassierbare Tunnel sowie Unfälle und Erdrutsche stoppen den Verkehr für Stunden, nur wir konnten uns einen Weg durchs Chaos bahnen. Wahnsinn!

Schokolade

In Rurrenabaque erholten wir uns zwei Tage und gingen dann wieder auf Tour. Der Ort gilt als Trittbrett in den bolivianischen Amazonas samt Sumpfgebiet und Regenwald. Zunächst wollten wir die artenreiche und prachtvolle Tierwelt erkunden. Da dies im Sumpfgebiet mit einem kleinen Boot eine Leichtigkeit ist, beschlossen wir eine dreitägige Tour zu buchen. Und wir haben keinen Augenblick bereut!

Kaiman

Zurück in Rurre verarbeiteten wir einen Tag lang die neuen Eindrücke und bereiteten uns auf eine fünftägie Trekkingtour durch den Dschungel des Amazonas vor. Zunächst fuhren wir erneut 3 Stunden mit dem Boot zur einer Ureinwohner-Comunidad. Nachdem wir deren Leben ein bisschen näher kennen gelernt hatten, ging es richtig los. Täglich wanderten wir zwischen 3 und 7 Stunden. Daneben unternahmen wir noch eine Nachtwanderung, fischten, bastelten Ketten und Ringe aus Baumsamen und genossen das tropische Vogelgezwitscher.

Tigerspinne auf Stefans Gesicht

22.06.2016: 13.951 km – 14.516 km, von Cochabamba nach Coroico
Die Straßen F25 und 54

Und ein weiteres Mal hat uns Bolivien verzaubert. Hinter der F25 und 54 verbergen sich 560 km auf der Hinterlandroute und der "Ruta de la Muerte", Abenteuer pur.

Doch bevor die 13 Tage Offroad beginnen sollten, besuchten wir zunächst den Nationalpark Toro Toro. An zwei vollbepackten Tagen besichtigten wir die Ciudad de Itas, die Umajalanta-Höhle (größte Höhle Boliviens) und "El Vergel" mit seinem gigantischen Canyon. Das ganz Besondere an Toro Toro aber sind die 100 Mio. Jahre alten Dinosaurierspuren, welche man überall findet.

Anstieg auf über 4.500 Hm auf Pflastersteinen

Auf dieser "Traumstraße" hatten wir unseren ersten großen Anstieg zu absolvieren, 1.900 Höhenmeter von 2.600 Hm hoch auf 4.500 Hm. Mit taub gerüttelten Händen und wundem Popo wurde es so auch noch zunehmend kälter und die Luft dünner. Nach Sauerstoff ringend (wegen fehlender Akklimatisierung) überquerten wir jedoch nach insgesamt 7 Stunden den Pass und konnten uns auf eine lange Abfahrt freuen. Als dann das elendige Kopfsteinpflaster auch noch aufhörte und wir uns auf den gewohnten schottrigen/sandigen Rüttelpisten befanden, waren wir restlos glücklich. Altiplano adé!

Vorn die Serpentinen hinunter, weiter hinten wieder hinauf

Wo ein Berg, da auch ein Tal und meistens auch ein Fluss. Zwar waren dies oft die besten Campingplätze, jedoch nicht selten auch eine besondere Herausforderung. Hier zeigt sich mal wieder Boliviens pragmatischer Straßenbau. Gibt es keine Brücke, geht es eben direkt durchs Flussbett. Wie hier der Verkehr in der Regenzeit funktioniert, bleibt uns unerklärlich ...

Klimawechsel – vom Altiplano in den Regenwald

Der krönende Abschluss der Etappe war dann die 54, "la Ruta de la Muerte" oder Death Road bzw. auf Deutsch die Todesstraße. Die 1930 von paraguayischen Kriegsgefangenen erbaute Straße gilt als gefährlichste der Welt. Bis 2007 stürzten monatlich durchschnittlich 2 Fahrzeuge in den Abgrund und jährlich starben zwischen 200 und 300 Reisende. Und obwohl der Weg mittlerweile für den regulären Verkehr gesperrt ist, verunglücken noch immer Rad-/Motorradfahrer auf dem Adrenalin-Ritt durch diese "Hölle". Doch auch wir konnten es uns einfach nicht nehmen lassen und mussten uns auf diesen Weg machen. Unglaublich!

Stefan im Regenwald auf der Todesstraße

02.06.2016: 13.442 km – 13.951 km, von Uyuni nach Cochabamba
Vom Altiplano in die Yungas

Was für eine erlebnisreiche Zeit: zuerst unsere 3-tägige Jeeptour duch den NP Eduardo Avaroa und dann die Etappe ins lang ersehnte Tiefland. Jetzt sind wir nicht nur wieder im Warmen oder gar in den feucht heißen Tropen, nein, wir durften auch die 3 facetteneichen und nicht unterschiedlicher sein könnenden Metropole Potosì, Sucre und Cochabamba hautnah erleben.

Der gebuchte Trip durch die Lagunen war sehr "Backpacker"-orientiert und vor allem durften wir viel Zeit im Toyota Landcruiser verbringen. Aber die traumhafte Landschaft entschädigte jeden breit gesessenen "Popo". Und wir waren auch mal heilfroh, in dieser lebensfeindlichen Gegend ohne unser Zweirad unterwegs zu sein. So konnten wir ohne Quälerei die farbenfrohen Lagunen und impulsanten Vulkane bewundern.

Anstieg Richung Potosí (4.067 Hm)

Auf dem zweiten Blick jedoch war die im Kolonialstil erhaltene Innenstadt von Potosí zauberhaft. Zu Fuß schlenderten wir durch die menschengefüllten Passagen und probierten hier und da regionale Spezialitäten. Doch dafür waren wir nicht hierher geradelt, wir wollten den berühmten Berg Cerro Rico (übersetzt reicher Berg) von innen sehen.

Wohl kein Berg Südamerikas enthielt so viel Silber und wurde dermaßen von den Spaniern ausgebeutet. Über 18 Mio. Menschen/Sklaven/Zwangsarbeiter verloren hier allein in der Zeit der spanischen Besetzung ihr Leben. Deshalb wird der Berg auch als "Der Berg, der Menschen isst" bezeichnent. Ein bolivianischer Präsident sagte einmal, es wurde kein Silber, sondern Indianerblut nach Europa verschifft. Noch immer arbeiten hier täglich 11.000 Menschen und leider sterben/verschwinden noch heute wöchentlich Bergarbeiter. Dies liegt wohl an den sich noch immer nicht geänderten Arbeitsbedingungen! Und das Silber wird auch heute noch direkt nach Europa verschifft ...

Stefan mit Dynamit für die Minenarbeiter

Schon am Eingang wird einem hier klar: "Welcome back" im Mittelalter. Ein winziger Eingang, Dreck und ein Haufen arme Männer. Zu zweit schmierten sie noch schnell die Räder einer alten Karre, bevor die beiden ins Dunkle abtauchten. Anschließend folgten wir in den Geschacht und binnen weniger Sekunden verschwand das Tageslicht und ein mulmiges Gefühl stellte sich ein. Die kleinen Lichtfunzeln der Helmlampen reichten gerade so aus, dass man den Weg vermuten konnte. Keine 200 m und wir standen knöcheltief im Wasser, rutschten über den schlammigen Boden und stießen uns an den engen und flachen Tunneln die Köpfe ein.

Tina im engen Schacht

Mit diesem nachhaltigen Eindruck machten wir uns auf den Weg nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens und der damaligen Residenzstadt der reichen Spanier, die sich natürlich zu fein waren, im hässlichen und kalten Potosì zu leben. Die 150 km waren schnell geradelt, da die traumhaft schöne Stadt gute 1.300 Hm tiefer liegt. Auch hier pausierten wir einen Tag, machten einen Stadtbummel und bestaunten die Prachtbauten, die die Spanier hinterlassen hatten.

Straßenblockade aufgrund eines Streik

Die Strecke Aiquile – Cochabamba wollten wir auf anderem Weg zurücklegen, per Buscarril (Busgleise). Ein solches Vehikel, einmalig! Ein normaler Bus, der durch Umbaumaßnahmen auf Gleisen fährt. Pünktlich um 7:30 Uhr morgens wurden unsere Fährräder auf dem Dach befestigt und innerhalb von 8 Stunden schaukelten wird die fehlenden 200 km nach Cochabamba. Was für eine lustige Klapperfahrt ...

Bolivianisches 4-Gänge-Menü

15.05.2016: 12.942 km – 13.442 km, von San Pedro de Atacama nach Uyuni
Von explosiven Geysiren zur spektakulären Salzwüste

San Pedro de Atacama, ein absoluter Touri-Ort, aber wir fühlten uns hier richtig wohl. Nach ein paar Tagen Entspannung wollten wir die Umgebung ein bisschen genauer erkunden und haben nach anfänglichen Schwierigkeiten zumindest einen Mietwagen für zwei Tage erhalten können.

Voll bepackt haben wir dann die übelsten Straßen mit unserem Toyota Hilux gemeistert und konnten so die Salzwüste "Salar Aguas Calientes", die Laguna Chaxa, Miscanti, Miñique und das "Valle de la Luna" besichtigen.

Vulkan Láscar qualmt inkl. Schwefelausstöße

Nach wiederum zwei Tagen Päuschen machten wir uns wieder mit dem Rad auf den Weg. Zunächst ging es zum "El Tatio", einem gigantischen Geysirsfeld auf über 4.300 Hm, dem drittgrößten Feld der Welt. Nach zwei Tagen mühsamster Kraxelei, vorbei an Lagunen und Salzwüsten, erreichten wir erschöpft die Geysire. Noch am gleichen Abend entspannten wir uns in den über 40°C warmen Thermalbecken und versuchten, wieder Energie zu sammeln.

Geysire "El Tatio", drittgrößtes Feld der Welt

Nach 4 km steiler Abfahrt mussten wir zwei mal einen Fluss durchqueren – auf immer noch 4.000 Hm kein wirklicher Spaß (Temperatur). Und dann war es so weit – der Weg wurde zum Pfad und für jegliche motorisierten Fahrzeuge wäre hier Schluss gewesen. Die Natur hatte sich ihr Land zurück geholt und der Pfad hatte einen 1 m hohen, senkrechten Absatz. Mit all unserer Kraft schafften wir es zu zweit, die Fahrräder nacheinander über diese Passage zu hieven.

Sehr schlechter Pfad

Nach einer schlaflosen Nacht machten wir uns mit unseren Wanderschuhen wieder auf den Weg. Zunächst besserte sich der Weg und wir kamen etwas voran – aber dann, nur noch 5 km bis zum Dorf, wurde der Weg wieder gnadenlos. Selbst das Bergabschieben war hier eine Herausforderung. Als wir am Nachmittag noch immer nicht im Dorf waren, machten wir erst einmal Mittagspause ... Frisch gestärkt quälten wir uns die fehlenden 2 km und wurden letztendlich belohnt. Wir konnten unseren Augen nicht trauen: eine Asphaltstraße; die erste seit knapp 600 km!

Ollagüe, einziger Tante-Emma-Laden

Die Taschen voll und schwer ging es weiter – nach Bolivien! Schnell ein Stempel in Chile kassiert, fehlten uns 4 km bis nach Bolivien. Hier empfing uns ein in Mantel kostümierter Grenzer (auf den ersten Blick eher ein Verbrecher) und erläuterte uns das Vorgehen. Im Metallcontainer fertigte uns dann ein Mitte 40-Jähriger mit nur noch 3 Zähnen ab und wir hatten unsere Formalitäten erledigt. Jetzt radelten wir weiter auf bolivianischen Straßen.

Stefan auf der Salar de Uyuni

Unsere Euphorie währte natürlich nicht lange, denn nach 20 km war damit Schluss und wir befanden uns auf einer staubigen und sandigen Dreckspiste namens Ruta 5. Uns trennten zwar nur noch 34 km bis zur "Salar de Uyuni", doch sollte dies auf Grund des schlechten Weges einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Belohnt wurden wir dann jedoch mit dem Traum der Träume – der größten Salzwüste der Welt!

Insel "Isla Incahuasi" mit 16.000 Kakteen

Am nächsten Tag erreichten wir dann Uyuni, wo wir uns jetzt wieder erholen und auch mit einer Jeeptour die Lagunenroute unsicher machen werden.


Nach oben